Entfliehe der Kirchlichkeit! (Chip Brogden)

Entfliehe der Kirchlichkeit 

von Chip Brogden

Es ist wichtig, dass wir klar zwischen der wahren Kirche (der Ekklesia) und der institutionalisierten Kirche, der organisierten Religion oder Religion im Allgemeinen unterscheiden. Am einfachsten finden wir einen Anfang, wenn wir darüber sprechen, was organisierte Religion nicht tun kann.

Organisierte Religion kann kein Leben gewähren.

„Und darin besteht das Zeugnis, dass uns Gott ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“ (1. Johannes 5:11,12)

Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht lebt der Herr Jesus Christus nicht innerhalb der Matrix organisierter Religion. Die Ekklesia, wie auch unser Herr, ist vollkommen anders. Ich kann es euch ohne jeglichen Zweifel beweisen. Können wir einer „Kirche“ beitreten? Ja, wenn wir den Satzungen und Anforderungen entsprechen. Können wir der Ekklesia beitreten? Nein, in sie müssen wir hineingeboren werden. Oder um es genauer zu sagen, wir müssen in sie hinein wiedergeboren werden. Es ist keine Frage des Beitretens oder des Nichtbeitretens, sondern die Frage: Leben haben contra kein Leben haben. „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“

Manche glauben irrigerweise, Jesus habe eine Bewegung gegründet oder eine neue Religion geformt. Nein, die Welt hatte bereits Bewegungen und Religionen und sollte sie auch im weiteren Verlauf der Geschichte haben. Es lag nicht in seiner Absicht, eine neue Religion zu gründen. Was brachte er uns? Was gab er der Welt? Er gab uns sich selbst als unser Leben.

Mohammed, Buddha, Konfuzius oder Sokrates mögen uns gute Lehrsätze bringen und uns etwas zu moralischer Vortrefflichkeit und religiöser Philosophie zu sagen haben. Dazu mag das eine oder andere im weiteren Sinne als Unterstützung in Bezug auf die Humanität dienen. Doch Jesus ist anders: Er bringt uns sich selbst als unser Leben. Es ist nicht so, dass er uns lediglich einige Lehren übertragen und gewisse Tugenden in die menschliche Rasse eingebracht hat, bevor er wieder in den Himmel hinauf genommen wurde. Es geht weit darüber hinaus, als dass er nur ein Beispiel für uns ist, dem wir folgen sollen, der Standard, nach dem unsere Moral gemessen wird, da wir ängstlich flüstern: Was würde Jesus tun? Nein, ER SELBST kam, um unser Leben zu sein. Er ist Retter und Rettung. Er ist Erlöser und Erlösung. Er ist Heiler und Heilung. Er ist Spender des Lebens und er ist das Leben.

In IHM ist Leben, denn er IST Leben. Alle, die in ihm sind, besitzen Leben, und das Leben besitzt sie. Das Leben ist in dem Sohn, der Sohn ist in mir und ich bin in dem Sohn. Wir teilen uns ein gemeinsames Leben. „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm.“ (1. Korinther 6:17)

Alle, die Leben besitzen, werden in ihrer Gesamtheit die Ekklesia genannt, die Gemeinde, der Leib Christi. Die einzelnen Glieder der Ekklesia werden Christen genannt. Sie sind die, welche in Christus sind. Sie bleiben in ihm, und er bleibt in ihnen.

Du fragst vielleicht, ist ein Christ nicht jemand, der dies oder jenes glaubt oder sich so oder so verhält? Unsere Antwort ist, dass sie wohl dies oder jenes glauben bzw. sich so oder so verhalten, doch der Glaube oder das Verhalten, wenn sie auch bei der Identifizierung helfen, sind es nicht, was sie zu Christen macht. Es ist das Leben. Sicherlich, Christen haben ein Kernsystem von Glaubensgrundsätzen und Praktiken. Doch das charakteristische Merkmal eines Christen ist Leben. Es ist noch nicht einmal „der Herr meines Lebens“, was auf etwas außerhalb von Ihm hinweist, über das ich noch die Kontrolle habe; es ist „der Herr ALS mein Leben“.

Organisierte Religion bringt intellektuelles Christentum. Es kann nicht Leben geben. Was meine ich mit intellektuellem Christentum? Es ist das ABC-Evangelium. Vielleicht habt ihr schon davon gehört. Erlösung wird in drei einfachen Schritten erlangt: „A“ steht für „anerkenne, dass du ein Sünder bist“, „B“ steht für „bereit sein zu glauben, dass der Herr Jesus dich retten kann“ und „C“ steht für „Christus als deinen persönlichen Retter bekennen“. Was stimmt daran nicht? Ganz einfach: Es ist kein Leben darin enthalten. „ABC“ wird uns nicht retten. Durch „ABC“ findet keine Begegnung mit Jesus statt, der allein Leben ist. Es ist nur eine intellektuelle Akzeptanz und Bestätigung dessen, was als „Drei einfache Schritte“ präsentiert wird – ich glaube das, ich sage es und das macht mich zum Christen, richtig? Nein, es macht dich nur religiös. Es gibt viele Menschen, die „Religion“ bekommen, doch sie bekommen nicht Jesus.

Organisierte Religion hat das Christentum dazu gebracht, sich zum Kirchenwesen zu wandeln, mit einem Evangelium, das einfach zu glauben, dessen Ausleben aber ungleich schwieriger ist.

Organisierte Religion kann Doktrinen, Lehre und einen Glauben bringen. Einiges davon mag moralisch vorzüglich und gut sein. Manches mag sogar biblisch klingen, wie „Drei leichte Schritte“. Nichtsdestotrotz kann organisierte Religion kein Leben gewähren. Warum? Weil sie kein Leben hat, welches sie geben könnte. Jesus Christus ist das Leben. Und Jesus lebt nicht in dieser Matrix der organisierten Religion. Er gibt sich SELBST. Wie kann irgendein Mensch, eine Organisation oder eine Bewegung von sich selbst behaupten, einen anderen Menschen herzuschenken, und noch viel weniger, das Leben von Jesus Christus selbst zu gewähren? Nur Jesus selbst kann sich als unser Leben geben.

Ihr seht also, das Äußerste, was irgendjemand von uns tun kann, ist, Menschen zu Jesus als alleinige Quelle des Lebens weisen. Sie mögen durch uns mit diesem Leben in Kontakt kommen, doch wir können ihnen kein Leben geben. Zu denen, die der organisierten Religion verpflichtet sind, ruft Jesus aus: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, darin das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.“ (Johannes 5:39,40) Kommt zu mir! – nicht: „Prägt euch diese drei leichten Schritte ein und besucht am Sonntag die Kirche eurer Wahl.“ Kommt zu MIR! Er ist Leben.

Die Kirche oder auch Gemeinde, die Ekklesia des Herrn, ist die Synthese von Individuen, die die Offenbarung Jesu haben und die zu ihm gekommen sind, um ihn als ihr Leben zu empfangen. An dieser Stelle beginnt die Konfusion. Fix verwenden wir den Begriff „Kirche“ oder „Gemeinde“ um Dinge zu beschreiben, die nicht die Ekklesia des Herrn sind. Ein Gebäude, das religiösen Zusammenkünften gewidmet ist, wird „Kirche“ genannt. An religiösen Veranstaltungen teilzunehmen, nennt man „zur Kirche gehen“. Eine gute Botschaft oder gute Musik hören während einer religiösen Zusammenkunft, wird „Gemeinschaft haben“ genannt (ein bekannter Liedtext sagt „lasst die Musik ertönen, lasst uns Gemeinschaft haben!“) Ein Mitglied einer gemeinnützigen Organisation zu werden, der ein Gebäude gehört, das religiösen Zusammenkünften gewidmet ist, wird „Kirchenbeitritt“ genannt. Verantwortung als Gründer oder gewählter Leiter einer solchen Organisation zu tragen, heißt „einer Kirche vorstehen“. Erweiterungen an dem Gebäude vorzunehmen, das religiösen Zusammenkünften dient oder die Mitgliederzahl einer gemeinnützigen Organisation zu erhöhen, wird als „Kirchenzuwachs“ oder „Gemeindewachstum“ bezeichnet.

Warum sind wir so geist- und wortreich? Warum wählen wir unsere Ausdrucksweise so sorgfältig? Aus Gründen der Bequemlichkeit oder auch Gleichgültigkeit ist es den Menschen zur Gewohnheit geworden „Kirche“ zu sagen anstatt „eine gemeinnützige Organisation, der ein Gebäude gehört, das religiösen Zusammenkünften gewidmet ist“. Für welche Nomenklatur sich der Einzelne auch entscheiden mag, wir ziehen eine Linie und machen eine klare Unterscheidung zwischen „Die Kirche (Gemeinde)“ und „Kirche“, in der Hoffnung, den Unterschied zwischen dem, was Menschen für gewöhnlich „Kirche“ nennen und dem, was der Herr als „die Gemeinde“ bezeichnet, deutlich zu machen. Wie vorstehend aufgezeigt, ist vieles von dem, was wir als Kirche oder Gemeinde bezeichnen, lediglich organisierte Religion. Es ist nicht die Ekklesia des Herrn.

Wir sehen die Dinge so, wie man uns gelehrt hat sie zu sehen; wir sehen die Dinge nicht, wie Gott sie sieht. Es ist sehr einfach, Dinge in den Begriffen organisierter Religion zu bestimmen und zu beschreiben, weil es irdisch, weltlich und natürlich ist. Fragt die Leute auf der Strasse. Was ist Kirche? – Na ja, es ist das Gebäude dort, mit dem Kirchturm. Was ist ein Pastor? – Der, der auf der Kanzel steht und predigt. Was ist ein Christ? – Das sind die Leute, die oft ihre Bibel lesen, viel beten und ständig in die Kirche gehen … na, eben gute Werke tun und so. – Ihr seht, wie einfach definierbar es ist. Es ist greifbar, konkret. Darauf können wir unsere Hände legen.

Doch die Realität ist, das alles, was die Ekklesia, den Leib Christi ausmacht, geistlich ist und somit unsichtbar für das nackte Auge. Es ist nicht körperlich. Es kann nicht in Geld und Statistiken gemessen werden.

Nun stellt jemandem, der es besser weiß, die gleichen Fragen. Was ist Kirche? – Die Kirche, die Ekklesia, ist eine Verbindung von Individuen, die die Offenbarung Jesu haben und zu ihm gekommen sind, um ihn als ihr Leben in Empfang zu nehmen. Wo finde ich das? Wonach muss ich Ausschau halten? – Das kannst du nicht, das wäre, als würdest du versuchen, den Wind in der Hauptstrasse Nr. 101 zu finden. Es ist außerhalb geografischer Beschreibung; es ist überall und nirgendwo. Was ist ein Pastor? – Jemand, der dazu berufen ist, die Schafe des Herrn zu weiden als Hirte unter dem einen großen Hirten. Hm, meinst du Predigen? – Nein, nicht unbedingt oder ausschließlich. Du meinst einen Theologieprofessor? – Nein, nicht wirklich. Na ja, egal … aber was ist ein Christ? – Oh, das ist einfach: jemand, der in Christus ist. Was meinst du damit … „in Christus“? Meinst du nicht eher „an Christus glauben“? – Nein, ich meine „in Christus SEIN“, in Einheit, eins sein mit ihm. Aha, und wie sieht DAS aus? Wie viele Kapitel der Bibel lesen sie am Tag? Wie lange beten sie? Wie oft gehen sie in den Gottesdienst? – Es widersetzt sich einer Beschreibung, denn die Wahrheit ist, dass es nichts mit dem Äußerlichen, sondern nur mit dem Inneren zu tun hat. Wie der Wind: Man kann seine Auswirkungen sehen, doch kann man nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht; so sind jene, die aus dem Geist geboren sind (Johannes 3). Dieses unsichtbare Leben ist die Besonderheit der Ekklesia. Wenn es dir gelingen sollte, den Wind in einem Beutel zu fangen, dann kannst du auch die Christen in ein Gebäude stopfen und es „Kirche“ nennen. „Man wird nicht sagen: Siehe, hier! oder: Siehe, dort ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Lukas 17:21)

Aus unserem Blickwinkel hier auf Erden kann organisierte Religion leicht gesehen, gefühlt, angefasst, erfahren, bemessen, benannt, charakterisiert, kategorisiert, analysiert und erklärt werden. Wir können ihren Fortschritt aufzeichnen und die Daten an die Wand hängen, auf sie zeigen und sagen, jawohl, wir haben so viele Millionen Bekehrte hier und so viele Millionen Mitglieder dort. Das Kirchenwachstum steigt (oder nimmt ab), wir haben letztes Jahr so und so viele Millionen Euro, Dollar etc. eingenommen und im Vergleich zu anderen Weltreligionen nehmen wir den soundsovielten Platz ein. Wir haben in diesem Teil der Welt soundsoviel tausend Kirchen, soundsoviele Pastoren und christliche Mitarbeiter und wir haben die Bibel in die und die verschiedenen Sprachen übersetzt.

Währenddessen ist das, was die echte Kirche, die Ekklesia, antreibt, unsichtbar, geistlich, ätherisch, in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt, verborgen, verschleiert, schwer zu beschreiben in verständlichen Begriffen. Wir können kein Datenmaterial erstellen und es an die Wand hängen. Selbst diejenigen, die wissen, was die Ekklesia ist, haben manchmal Schwierigkeiten, sich auszudrücken. Fragt sie, wo diese Kirche, diese Gemeinde zu finden ist, von der sie so sehnsüchtig sprechen und sie werden geneigt sein zu antworten: „Ich bin nicht sicher, ob ich weiß, wo diese Kirche ist, Bruder/Schwester, doch weiß ich gewiss, wo sie nicht ist!“

 

Stellt euch nun vor, der Herr weckt euch eines Nachts auf und sagt: „Komm hier herauf und ich werde dir die Kirche zeigen.“

Du erwartest, dass er dich jetzt die Strasse hinunter bringt, zum Familien-Lobpreis-Zentrum etc. oder quer durchs Land, dorthin, wo die Massen sagen, dass sie Erweckung erleben; doch anstatt dessen merkst du, die Erde hinter dir lassend, wie du hoch in die Luft getragen wirst, und in einem Augenblick reist du über die Grenzen des zeitlichen Universums hinaus und in das geistliche Reich hinein, mit Christus an himmlische Orte gesetzt, dort im Thronraum Gottes.

Dort mit dem Herrn sitzend und hinunter auf die Welt blickend, finden wir heraus, dass aus dieser Perspektive alle Kathedralen, Kirchengebäude, Lobpreiszentren, Heiligtümer, Organisationsgebäude der Konfessionen, Seminare, die Zehnten und die Opfer, Mitgliedsdatenbanken, Bewegungen … sie alle verschwinden aus der Sicht. Alles schmilzt weg. Er sieht nicht die evangelikale Kirche, die Baptisten, die Methodisten, die Lutheraner, die Presbyterianer oder die Römisch-Katholische Kirche. Er sieht nicht die Pfingstler, die Charismatiker, die Fundamentalisten, die Christlich-Konservativen oder die Religiöse Rechte. Er sieht die Gebäude, die religiösen Zusammenkünften gewidmet sind, nicht als bedeutender oder besonderer an als andere Gebäude. Er sieht Pastoren, ja – doch seltsamerweise sieht er nicht jeden Vorstand einer gemeinnützigen Organisation, die ein Gebäude besitzt, das für religiöse Zusammenkünfte bestimmt ist, als einen Pastor. Und nicht nur die Pastoren sehen anders aus von unserem himmlischen Beobachtungsposten. Alles sieht eigenartig aus. Irgendwie rückwärts. Apostel sind nicht dort, wo du sie erwarten würdest und sie tun nicht, was sie unserer Meinung nach tun sollten – genauso wenig wie Propheten, Evangelisten oder Lehrer. Und doch sind sie genau dort, wo ER sie haben will und tun genau das, was ER ihnen zu tun befohlen hat. Interessanterweise sorgt Er sich nicht um einen Zuwachs oder Rückgang von Kirchenbesuchern, weil er die Kirche nicht als etwas sieht, was besucht werden kann. Hmmm …

Wenn wir nah bei ihm stehen, sehen wir, wie ER sieht.

Wir erkennen, wenn wir auf das Christentum schauen, dass Gott einzig seine Kirche, die Ekklesia, dort sieht. Er erachtet die, die in ihm bleiben, die den Sohn haben, als jene, die Leben haben. Seine Kirche hat keinen Rückgang, sie wächst, denn Leben kann nicht eingedämmt oder begrenzt werden. Seine Ekklesia ist außerhalb der Matrix. Seine Kirche ist geistlich und als solche ewig, Zeit und Raum überschreitend. Gerade so, wie Er und Sein Handeln es sind.

Du schaust auf in sein Gesicht und siehst sein Lächeln, also folgst du seinem Blick – und dort ist es – die lebenden Steine und kostbaren Edelsteine, aus denen seine Kirche, seine Gemeinde besteht.

Zuvor konntest du sie nicht sehen, weil du auf Erden mitten drin warst. Doch nun, weit entfernt von allem und aus der Sicht des Herrn hinunterschauend, erkennst du, dass die lebenden Steine zusammengefügt werden zu einem großartig glänzenden, schimmernden und schillernden Gebäude, das die ganze Erde bedeckt! Ein Engel steht neben diesem Gebäude und ruft: „100 % rein, nie von menschlicher Hand berührt!“ Du schaust näher hin und entdeckst, dass die Steine und Edelsteine nicht wirkliche Steine und Edelsteine sind, sondern Menschen! Wundervolle, wunderschöne, freudenerfüllte Leute, miteinander verbunden zu einem Mosaik kraftvoller Farben, ein Wandteppich von verwobener Schönheit, ein Potpourri einzelner Leben in perfekter zwölfstimmiger Harmonie, alles pulsierend von Seinem Herzschlag, Seinem Leben, Seinem Wesen. Du fängst an zu weinen angesichts der unverfälschten Reinheit und Einheit des Ganzen. Es ist kein Fleck, keine Falte oder Makel zu finden.

Gott allein ist in der Lage, etwas so hinreißend Großartiges zu machen. Nur Gott. Nur Gott. Und dort, inmitten dieses wundervollen Ortes, siehst du, was ihn so glanzvoll und prächtig macht …

Dort ist ER, inmitten seines Tempels wandelnd, baut er lebenden Stein auf lebenden Stein, kostbaren Edelstein auf kostbaren Edelstein, und was hörst du? Gesang? Ja. Die lebenden Steine rufen aus in Lobpreis. Und Er lächelt und – pfeift! – während er arbeitet.

Jesus baut seine Kirche.

Dann, so rasch, wie es begann, ist es wieder vorbei.

Du öffnest deine Augen und findest dich wieder zurück auf Erden, zurückgekehrt zu deiner dreidimensionalen Welt.

Es ist ein sonniger Tag, die Vögel singen, die Kirchenglocken läuten und du siehst Männer, Frauen und Kinder die Strasse entlang gehen, ihre Bibeln unter dem Arm tragend. Du eilst hinaus auf die Strasse und greifst nach einem älteren Herrn.

„Wo gehen Sie hin? Was geht vor sich? Warum haben Sie sich so herausgeputzt?“

„Nehmen Sie ihre Hände von mir, Sie Verrückter! Es ist Sonntagmorgen und ich gehe zur Kirche!“

„Sie haben die Kirche gesehen??“

„Sie gesehen? Natürlich habe ich sie gesehen. Mein Urgroßvater hat mitgeholfen, diese Kirche zu bauen!“

„Nein, ich meine, haben Sie die KIRCHE GESEHEN“, wiederholst du mit Nachdruck. „Die Kirche, die JESUS baut!“

„Ich weiß beim besten Willen nicht, wovon Sie sprechen, junger Mann. Nun lassen Sie mich los, oder ich komme zu spät!“

Du lässt ihn los, und bevor du weißt, wie dir geschieht, wirst du in der Menge vorwärts geschoben und findest dich innerhalb der vier Wände eines Gebäude sitzend, das sich selbst als „Erste internationale scheinheilige Kirche“ bezeichnet.

Der Gottesdienst beginnt gerade. Der Pastor tritt an das Pult heran und ruft aus: „Lasst uns alle aufstehen und singen!“

Unsicher, was du tun sollst, stimmst du im Gesang des Chorus mit ein:

Wisst ihr nicht, wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel seid? Wisst ihr nicht, wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel seid?

Wisst ihr nicht, wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel seid? Ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes!

Am Ende des Liedes erscheint der Pastor wieder am Rednerpult und verkündet sachlich: „Ist es nicht gut, im Hause Gottes zu sein an diesem Morgen!“ Es ist mehr eine Feststellung als eine Frage. Und alle Leute sagen: „Amen!“

Hoffnung steigt in dir auf! Das Haus Gottes! Vielleicht hat er es auch gesehen! Du vergisst, wo du bist, springst auf und rufst aufgeregt: „Hast DU das Haus Gottes gesehen, Bruder?“

„Amen!“, antwortet er. „Es ist gut, heute Morgen hier in der Kirche zu sein!“

„Amen!“, stimmen die Leute zu.

„Nein, Moment mal“, unterbrichst du, dann, so langsam und deutlich artikuliert, als ob du zu einem Taubstummen sprechen würdest, fragst du: „Hast du die KIRCHE GESEHEN, Bruder? Die Kirche, die JESUS baut?

Alle Köpfe sind dir nun zugewandt. Der ältere Herr, einer der Diakone, flüstert: „Das ist der Verrückte, dem ich heute Morgen auf dem Weg zur Kirche begegnet bin!“

Der Pastor wird zunehmend ungeduldig. „Dies IST die Kirche, Bruder. Halleluja!“

„Aber Pastor“, drängst du, „WISST IHR NICHT, DASS IHR DER TEMPEL SEID???“

Die Stille ist ohrenbetäubend.

„Sie sind der Tempel. WIR sind der Tempel! Jesus baut seine Kirche! Ich hab’s gesehen! Es ist ein wundervolles Gebäude aus lebenden Steinen, erfüllt mit seinem Leben! Wir sind die Kirche, die er baut! Wir sind die lebenden Steine, die kostbaren Edelsteine! Ich habe Jesus gesehen, und er hat gelächelt und die Steine zueinander gestellt, und …“

Einige Teenager in den hinteren Reihen fangen an zu kichern.

„Ich hab’s gesehen! Es ist wahr! Die Steine … die Juwelen … es ist großartig!“

Die Leute schauen den Pastor an, um zu sehen, wie er wohl reagieren wird.

Langsam dämmert es dir. Du erkennst, dass du ihnen wie ein Außerirdischer von einem fremden Planeten erscheinst, der versucht, etwas zu vermitteln, das für dich so real ist, aber für den Rest der Welt vollkommen fremd.

Verzweifelt packst du den Mann, der neben dir steht, bei den Schultern, weil du denkst, du könntest es in ihn hineinschütteln. „Ihr glaubt mir nicht … Doch es ist wahr! Ihr singt darüber … aber ihr glaubt es nicht! IHR SEID DER TEMPEL! Ihr müsst mir glauben! Ich hab’s gesehen! Jesus baut seine Kirche!“

Die Ordner bahnen sich einen Weg zu deinem Platz in der Kirchenbank.

Schwitzend und zitternd schaust du dich mit wildem Blick in dem Heiligtum um. „Nein, hier ist was falsch. Alles ist ganz anders … dies ist nicht die Kirche! Ich meine, ihr nennt es Kirche, aber das hier ist kein bisschen wie das, was ich gesehen habe. Die Kirche ist … sie ist … Eine Herde mit Einem Hirten, nicht aufgeteilt in Denominationen und Sekten! Sie ist ein Mosaik von Menschen! Sie ist ein Wandteppich voll kraftvoller Farben! Sie ist ein Potpourri …“

Du fängst an zu schluchzen. „Hört mich an! Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel seid?!?“

Die Gemeinde fühlt sich unbehaglich und ist aufgeregt. Der alte Diakon ist aschfahl im Gesicht und seine Augen blitzen den Pastor an, damit der dem Ganzen ein Ende machen möge.

„Lieber Freund“, bringt der Pastor endlich hervor, „wenn Sie bitte mit den Ordnern gehen würden, ich glaube, wir können Ihnen besser in einer privaten Atmosphäre dienen. Mit gebeugten Häuptern und geschlossenen Augen sollten wir anderen hier gleich jetzt vor dem Herrn ins Gebet gehen.“

Während alle Köpfe gebeugt und alle Augen geschlossen sind, mit Ausnahme von Kopf und Augen des Pastors, drängen die Ordner dich schnell und zielstrebig zur Hintertür hinaus und schmeißen dich die Stufen hinunter.

Der Pastor lächelt: „Und die Gemeinde sagt … AMEN. Amen. Ihr dürft euch nun setzen. Ja, preist den Herrn. Meine heutige Predigt trägt den Titel: `Was es heißt, Christ zu sein´. Schlagt nun eure Bibeln auf …“

* * *

Wenn Gott dir einen Moment an seiner Seite bewilligen würde und dir einen flüchtigen Blick auf seine Kirche gewährte, würdest du sofort verstehen, welch einen bedauernswerten Ersatz wir mit der organisierten Religion haben.

Keine Eitelkeit ist so tief wie religiöse Eitelkeit, nichts ist widerlicher und im krassen Gegensatz zum Herzen und zur ultimativen Absicht Gottes.

„… und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen Regionen in Christus Jesus.“ (Epheser 2:6)

Wenn es Gott gefällt, dir dieses Bild seiner Kirche zu bewilligen, wirst du es bald als einen Segen und gleichzeitig als einen Fluch anerkennen. Ein Segen, weil die Dinge zu sehen, wie Er sie sieht, wahre Weisheit und Einheit mit ihm und seinem Volk bedeuten. Und ein Fluch, weil die Dinge zu sehen, wie Er sie sieht, dich für dein Leben verdirbt, denn du wirst nie mehr fähig sein, den Ersatz zu akzeptieren, das Nachgemachte, selbst nicht das Gute, auf Kosten des Heiligen.  Seine Kirche, Sein Schatz, wie heilig und rein und wundervoll und unaussprechlich ist sie! Vorher konntest du beiläufig diese oder jene Sache „Kirche“ nennen, wie alle anderen auch und es gesellschaftlich akzeptabel finden, doch nun wirst du eine Gänsehaut bekommen und dein Magen wird sich zusammenkrampfen, wenn du hörst, wie andere irgendein Gebäude das „Haus Gottes“ nennen, in dem vollen Bewusstsein, dass SEIN HAUS nicht ein totes, von menschlichen Händen geschaffenes Ding ist!

Dann wird es dir nicht genügen zu sagen: „Herr, die Kirche gehört dir, nicht mir und auch niemandem sonst. Ich sehe nun meinen Fehler. Ich nehme meine Hände davon weg, denn es untersteht nicht meiner Kontrolle oder Führung. Ich tue Buße dafür, dass ich versuche, aufzubauen, was du niederreißen möchtest und niederzureißen, was du aufbauen willst. Was bin ich, Herr, als ein kleiner Stein, ein kleines Schaf, ein kleines Glied an dem wundervollen Leib der Gläubigen? Du baust deine Kirche und ich werde es dir überlassen. Endlich sehe ich. Lass mich nur einen stillen Platz finden, wo ich dir und deinem Volk dienen kann im Verborgenen, denn ich möchte nichts für mich, sondern alles für dich.“

Nein, sobald du dies erkannt hast, sobald du deine Hände von seiner Braut genommen hast, sobald du aufhörst deine Brüder und Schwestern im Namen Gottes zu schlagen, dann wirst du eifern für seine Kirche mit Seinem Eifer und du wirst so viel Empfindsamkeit und Bewusstsein bekommen für falsche Pastoren und falsche Lehrer und falsche Evangelisten, falsche Propheten und falsche Apostel – ja, für alles, was sein Volk missbrauchen, verwirren, vergewaltigen und plündern würde!

Es ist alles eine Frage des Sehens! Und sehen wirst du! Du wirst sehen, wie er sieht, hören, wie er hört, fühlen, wie er fühlt. „Er war erzürnt über die Härte ihrer Herzen.“ Ohne Anstrengung, ohne Bemühungen wirst du mitten durch das Falsche sehen, den Quasi-Glauben, die Pseudospiritualität, die weißgewaschenen Gräber voller Totenknochen. Sobald du vom echten Leben geschmeckt hast, wirst du Tod auf tausend Kilometer Entfernung riechen und dein Geist wird dagegen rebellieren und deine Emotionen im Protest aufschreien und dir wird übel werden vor Trauer, Zorn und Mitgefühl, alles zur gleichen Zeit. „Nein! Dies ist nicht die Ekklesia. Dies ist nicht die Kirche des Herrn. Dies ist Fälschung. Es ist Schwindel. Es ist nichts weiter als organisierte Religion!“

Möge Gott uns Gnade schenken und uns solch eine Offenbarung Seiner selbst und Seiner Kirche geben, damit wir der Kirchlichkeit entkommen und Leben finden können.

Wir wollen euch damit nicht auffordern, dass ihr am nächsten Sonntag das System herausfordert, indem ihr eine öffentliche Konfrontation mit irgendeinem arglosen Pastor provoziert.

Alle Argumente der Welt werden Menschen nicht überzeugen, auch sollten wir nicht versuchen, Menschen zum Sehen zu zwingen. Erlaubt ihnen einfach, zu betrachten. Schau in das Gesicht dessen, der alle Dinge sieht, wie sie sind, sodass andere in deine Augen schauen mögen und Ihn erkennen, wie er ist. Eine Minute des Erkennens ist mehr wert als ein Leben voller Argumente.

Gott wird uns ein wahrnehmendes Herz und sehende Augen geben, wenn wir ihn darum bitten und wenn wir willens sind, beides anzunehmen, die Freude und die Last, die solch eine Offenbarung begleiten.

Dieses Dokument ist urheberrechtlich geschützt.
Originaltitel: Escape From Churchianity
©2007 Chip Brogden, All Rights Reserved.
Website: www.theschoolofchrist.org
Die Rechte an dieser Übersetzung liegen bei der Übersetzerin:
©2007 Gabriele Kohlmann, www.soulfood4u.de

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