Teil 1: Darf man Propheten „befragen“?

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Darf man zu einem Propheten gehen und ihn „befragen“ z.B. spezielle Fragen stellen wie: „Was möchte GOTT, welchen Beruf ich wähle?“ oder: „Ist es in Ordnung, wenn ich in einer Beziehung zu diesem Menschen bin?“ etc.

So oder so ähnlich denken heutzutage viele Christen. Man geht zum Propheten um zu hören, was Gott einem so sagen will. Oder man sucht ein Reden Gottes für eine Entscheidung vor der man steht.

Diese Denkweise entstammt dem Alten Bund. Da das Volk Israel nicht wie wir den Heiligen Geist hatte, mussten Sie zu einem Propheten Gottes gehen, wenn sie Gott befragen wollten. Nur wenige konnten direkt Gott hören. Nur wenige hatten direkten Zugang zu Gott. Nur wenige konnten sich direkt mit Gott beraten wie beispielsweise David in 2. Sam. 5, 17ff.

Im Neuen Bund hat JEDER wiedergeborene Christ durch den Heiligen Geist direkten Zugang zu Gott (vgl. Heb. 4, 16; Heb. 10, 19-20). Wir können die Stimme unseres Herrn selber für uns hören (vgl. Joh. 10, 27). Da wir Gott selber befragen können, ist es im Allgemeinen nicht nötig, Ihn durch einen Propheten als Mittler zu befragen. Jesus ist unser Mittler (vgl. 1. Tim. 2, 5)!

Im Neuen Bund einen Propheten wegen eigenen Entscheidungen zu befragen drängt diesen im schlimmsten Fall in die Rolle eines Orakels bzw. eines Wahrsagers.

Hierbei besteht die Gefahr, dass Menschen einen Propheten dazu drängen, da zu reden wo Gott schweigt. Dies zeugt von einem falschen Verständnis von Prophetie und wird sehr wahrscheinlich falsche Botschaften begünstigen. Manche Christen wollen ihre Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen an andere abgeben. Sie geben dadurch ein Stück ihrer eigenen Mündigkeit und Freiheit ab, indem sie sich selbst von anderen Christen abhängig machen, welche die Stimme Gottes für sie hören sollen. Sie lassen sich in diesen Fällen von (hoffentlich echt prophetisch begabten) Menschen leiten, anstatt vom Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit leiten wird (vgl. Joh. 16, 13)!

 

Wie können Christen, die ja den Heiligen Geist und die Bibel haben, da nun richtig mit umgehen?

Es kann aber vorkommen, dass auch wiedergeborene Christen Probleme haben, die Stimme Gottes zu hören. Bzw. sie von anderen Stimmen zu unterscheiden. Dass sie zeitweilig Probleme haben, Gottes Absichten und Pläne zu erkennen und sich von Ihm und Seiner Weisheit führen und leiten zu lassen. Dass es ihnen vorübergehend nicht leicht fällt, Zugang zu Gott zu finden, obwohl ja von Seiner Seite aus der Weg frei ist. Dies kann von den Umständen, Sorgen, Ängsten, Zweifeln etc. oder einfach auch von der Komplexität und Tragweite der zu treffenden Entscheidung verursacht sein.

Was sollen Menschen denn tun, die Rat bei Gott suchen, aber noch keine bzw. unklare Antworten haben?

  • Ruhe bewahren. Der Friede Gottes soll regieren in unseren Herzen (vgl. Kol. 3, 15). Soviel Zeit lassen, wie nötig. Aber auch nicht künstlich hinauszögern. Gott hat Seine Zeitpunkte.
  • Selber unter Gebet und Bibelstudium eine Entscheidung vorbereiten.
  • Um Weisheit bitten (vgl. Jak. 1, 5). Mit Jesus lebt in uns der Geist des Rates und der Weisheit (vgl. Jes. 11, 2). Der Wunderbare Ratgeber lebt in uns (vgl. Jes. 9, 5 und Kol. 1, 27)!
  • Sich darauf besinnen, dass der Heilige Geist uns leiten wird (vgl. Joh. 16, 13).
  • Gott die eigenen Vorbehalte, Entscheidungen, Gedanken, Befürchtungen, Ängste, Sorgen, Hoffnungen hingeben. Sich WIRKLICH frei machen lassen. Den eigenen Willen WIRKLICH an Gott abgeben. Sich WIRKLICH von Ihm leiten lassen. „Herr, Dein Wille geschehe. So wie Du im Himmel beschlossen hast, so will ich auch auf Erden nachfolgen.“
  • Sich mit Christen beraten. Gerne mit Leitungen, Hirten. Vielleicht bekommen die ein Wort der Weisheit von Gott (vgl. 1. Kor. 12, 8). Mit ihnen gemeinsam beten.
  • Andere Christen können einem helfen, die Stimme Gottes klarer zu hören. Oft (aber nicht ausschließlich!)  sind das die prophetisch Begabten, die einem hier weiterhelfen können.
  • Evtl. wird eine getroffene Entscheidung durch ein prophetisches Wort von einem anderen Christen bestätigt.

 

Umgang damit als prophetisch Dienender

Wenn man selbst nun prophetisch begabt ist und andere fragen einen um konkrete Entscheidungen Gottes für konkrete Situationen in ihrem Leben, wie geht man damit um?

Das wichtigste hierbei ist, dass man nicht versucht auf Zwang eine Botschaft zu bekommen.

Wenn Gott in diesem Moment nicht zu der Frage bzw. zu der Entscheidung redet, dann ist das so. Das MÜSSEN wir respektieren.

Wir dürfen nicht versuchen, selber da zu reden wo Gott (noch?) schweigt.

Wir dürfen nicht eine eigene Botschaft selber produzieren um den Anforderungen/ Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen. Siehe hierzu folgende Verse:

1. Kön. 22, 14 „Micha aber sagte: So wahr der HERR lebt – nur, was der HERR mir sagen wird, das werde ich reden!“ (Rev. Elberfelder)

2. Kön. 4, 25-27 „So ging sie denn und kam zu dem Mann Gottes auf den Berg Karmel. Als aber der Mann Gottes sie aus einiger Entfernung sah, sprach er zu seinem Diener Gehasi: Sieh dort die Schunamitin!

Nun laufe ihr doch entgegen und sprich zu ihr: Geht es dir gut? Geht es deinem Mann gut? Geht es dem Kind gut? Sie sprach: Jawohl!

Als sie aber zu dem Mann Gottes auf den Berg kam, umfaßte sie seine Füße; da trat Gehasi herzu, um sie wegzustoßen. Aber der Mann Gottes sprach: Laß sie, denn ihre Seele ist betrübt, und der Herr hat es mir verborgen und es mich nicht wissen lassen!“ (Schlachter)

Außerdem muss man die eigenen Erwartungen, Wünsche, das eigene Wissen über die ratsuchende Person etc. rausnehmen. Ich will das anhand von zwei Beispielen verdeutlichen:

Stell dir vor, eine Person sucht dich auf um von Gott zu erfahren, ob Person XYZ der richtige Ehepartner ist. Nun kennst du die ratsuchende Person sehr gut. Du weißt, dass sie sehr unter Einsamkeit leidet. Du hast oft gebetet, dass sie den richtigen Partner findet. Sie liegt dir echt auf dem Herzen. Hierbei kann sich ein (gutgemeintes) Wunschdenken einmischen und eine (sollte sie vorkommen) Prophetie verfälschen.

Oder ein Jugendlicher kommt zu dir um Rat wegen der Berufswahl zu erhalten. Du weißt im Natürlichen, dass er Geschick in der Reparatur von Motorrädern hat. Du selber bist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Könnte es da vorkommen, dass du ihm raten würdest, eine Ausbildung als Mechaniker zu beginnen und dir vielleicht sogar sicher wärst, das von Gott gehört zu haben? Was, wenn Gott aber einen anderen Plan mit dem jungen Mann hat?

Durch die eigenen Erwartungen, das eigene Vor-Wissen, das eigene Wunschdenken, die Wünsche des Ratsuchenden etc. kann sich eine prophetische Botschaft verfälschen.

Ich persönlich sehe hierbei eine große Gefahr. Dies gilt auch bei „normalen“ (d.h. nicht als prophetisch bezeichneten) Ratschlägen. Evtl. sollte man in solchen Situationen klar ansprechen, dass man befangen (bzw. beeinflusst, vor-geprägt, vor-eingenommen …) ist. Dass man aber gerne für die Person beten wird.

  • Wenn man einen menschlichen Ratschlag für die Person hat, dann sollte man klar anmarkern bzw. kennzeichnen, dass es eine eigene Meinung ist, die der eigenen Weisheit entspringt, und eben KEIN prophetisches Reden Gottes ist.
  • Bete für und mit dem Ratsuchenden. Segne die Person. Bittet beispielsweise gemeinsam um göttliche Weisheit, um Erkenntnis aus der Heiligen Schrift und um Führung durch den Heiligen Geist.
  • Sei offen für (echte) Worte der Weisheit (vgl. 1. Kor. 12, 8). Wenn keins kommt ist das auch in Ordnung, aber sei offen.
  • Ermutige die Person, selber ins Gebet zu gehen. Und auch selber die Ratschläge und auch erhaltene Worte der Weisheit bzw. prophetisches Reden Gottes zu prüfen (vgl. 1. Thess. 5, 20-21). Ermutige sie selber mit Jesus die Entscheidung zu besprechen. Dadurch hilfst du der Person, selber in die Mündigkeit bzw. Reife hineinzuwachsen. Auch dies ist eine Aufgabe, an der Propheten Anteil haben (vgl. Eph. 4, 11ff.).
  • Frage die ratsuchende Person, ob sie das Problem bzw. die Entscheidung nicht mit anderen Christen besprechen kann. Z.B. mit Hirten, geistlichen Eltern, der Hauskreisleitung etc.
  • Und vertraue einfach auch, dass der Heilige Geist in der ratsuchenden Person am Wirken ist. Es ist nicht deine Verantwortung, wie ein Orakel oder Wahrsager eine Entscheidung „prophetisch“ zu treffen. Bzw. die Pläne und Absichten Gottes für die anderen Person „vom Himmel herunter zu holen“. Das ist nicht die Aufgabe der Propheten. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (vgl. 2. Kor. 3, 17). Für mich schließt das die Freiheit mit ein, Entscheidungen unabhängig von menschlicher Weisheit bzw. Führung zu treffen. Unabhängig von menschlichen Ratgebern, aber unter Führung des Heiligen Geistes.

Fortsetzung:

Hier der 2. Teil: Darf man Propheten befragen?

 

Kategorien: Neue Artikel, Podcast-Feed | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Teil 1: Darf man Propheten „befragen“?

  1. Der der Euch liebt

    Hallo,
    es macht mich traurig zu sehen wie viel Leid hier bei Euren Bitten hervorkommt.
    Tröstet Euch zu Wissen das unser Herr seine Kinder liebt auch in Ihren schwersten Zeiten.
    Wiedersteht dem Satan und sagt Euch bei Bösen Gedanken das sie nicht von Euch kommen
    Sondern Satan sie in Euch hineininterpretiert und verwerft sie sogleich.
    Gebt hier das gute an andere weiter und handelt im Vertrauen auf Gott.
    Ich las hier einen Text wo Kinder durch den IS getötet wurden.
    Seid Euch sicher das diese Heuchler die Euch das antun von Gottes Zorn erfasst werden,aber bedenket auch das unser Herr sagte Vater vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun!
    Jeder der Mord mit gleichem vergilt ist nicht besser als die Mörder selbst.
    Propheten sind nur durch Gott mächtig und werden Euch niemals etwas Böses wollen!
    Ich bitte Euch,verliert nicht Euren Glauben und die Liebe zu Eurem nächsten denn dies ist eine schwere Prüfung für uns alle.
    Hass,Neid,Missgunst und Verleumdung sind die Dinge die zu unserem Untergang führen.
    Deshalb ist es wichtig anderen ihre Fehler zu Verzeihen und so das Gleichgewicht der Menschen wieder herzustellen.
    Julia ist jederzeit bereit Eure Anliegen aufzunehmen aber habt Verständniss das ein Mensch nicht Millionen von Zuschriften beantworten kann! Auch kein Prophet!
    Kleiner Tipp.
    Sehet die Berge welche von schwarz nach weiß werden.

  2. Hallo „Der der Euch liebt“,
    danke für die ermutigenden Zeilen. Dir auch allen Segen von Gott. LG

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