Bringe das Herz deines Feindes zum Schmelzen (Jim Wehrheim)

Bringe das Herz deines Feindes zum Schmelzen

von Jim Wehrheim

Als neu bekehrter Christ war ich enttäuscht, als ich das erste Mal hörte, was Jesus sagte: „Die Sanftmütigen werden das Erdenreich besitzen“. Ich dachte immer, das Wort „sanftmütig“ bedeutete, ein kleiner stiller Feigling zu sein, der Angst vor seinem eigenen Schatten hat und nur flüsternd spricht. Als Mann hörte ich nicht gerne von Sanftmütigkeit, bis mir erklärt wurde, was das Wort „sanftmütig“ tatsächlich bedeutet: „Kraft haben durch Zurückhaltung“. Es bedeutet, du hast die Fähigkeit jemand anderem ernsthaft wehzutun, doch du triffst die Entscheidung, es zu lassen.

Als ich zwanzig Jahre alt war, wurde ich der Hochschule wegen eines Faustkampfes verwiesen. Sechs Jahre später wurde ich als Christ wiedergeboren, doch mit einigen meiner alten Gewohnheiten, wie meine Neigung zur Jähzornigkeit, musste ich mich noch befassen.

Die Bibel sagt in Philipper 1:6, dass, wenn du erst einmal Jesus Christus gebeten hast in dein Herz zu kommen, Gott niemals aufhören wird, dich zu vervollkommnen bis zum Tag der Wiederkunft Christi. Das bedeutet, du bist ein unfertiges Werk und stets im Bau befindlich. Gott wird nie aufhören dich besser zu machen, bis er dich heimruft, um bei IHM zu sein, oder bis zu dem Tag, an dem Jesus zur Erde zurückkehrt.

Eines Tages, im Alter von achtundzwanzig Jahren, arbeitete ich als Handelsvertreter und fuhr mit meinem Auto durch ein Industriegebiet außerhalb von Chicago, Illinois. Plötzlich fuhr mir bei seinem Versuch, in eine Ladezone zu rangieren, ein größerer Kleinlaster vor den Kühler, was mich zu einer Vollbremsung zwang, um einen Zusammenstoss zu vermeiden.

Anstatt sich zu entschuldigen, blitzte mich der Fahrer des Lasters aus der Fahrerkabine an, warf mir Schimpfworte an den Kopf und zeigte mir den Mittelfinger! Er starrte mir genau in die Augen, als fordere er mich heraus, auf sein Verhalten zu reagieren. Seine kampflustige Einladung war deutlich: „Willst du dich mit mir anlegen?“

Augenblicklich wurde ich ob seiner Beleidigung wütend! Auch Jahre nach meiner Hochschulzeit, in der ich Teil des Footballteams gewesen war, trainierte ich noch jeden Tag zwei Stunden voller Hingabe mit Gewichten, bis ich 150 kg auf der Bank drücken und 119 Liegestützen in der Minute machen konnte. Es gab absolut keine Möglichkeit, dass ich diese Art der Behandlung stillsitzend hinnehmen würde! Ich fuhr meinen Wagen zur Seite, stieg aus, knallte die Tür zu und fragte ihn, ob „er ein Problem habe, das ich für ihn lösen solle“?

Angesichts dessen reagierte der Fahrer, indem er heftig seine Handbremse hochriss und, mir körperlichen Schaden androhend, schreiend aus dem Führerhaus sprang. Ich stellte schnell fest, dass dieser Kerl offensichtlich kein Schwächling war. Er trug einen Bürstenhaarschnitt wie ein junger Mike Ditka (berühmter Footballspieler, Anm. d. Übers.), und seine Hemdsärmel waren bis über seine Deltamuskeln hochgerollt und gaben den Blick auf Tätowierungen frei, die beide Arme großzügig verzierten. Er war nur etwa 1,70 m groß, aber auch genauso breit, und sein Körperbau glich einem Getränkeautomaten. Die Schließe seines Cowboygürtels war größer als mein Kopf und seine aggressiven, hektisch ruckartigen Bewegungen erinnerten mich an den Tasmanischen Teufel aus den Bugs Bunny Trickfilmen. Seine verrohte Erscheinung ließ ahnen, dass er mit Sicherheit einige Zeit im Gefängnis verbracht hatte.

In Erwartung eines Kampfes riss ich mir mein Jackett vom Leib und warf es zu Boden. Ich pflanzte mich breitbeinig auf, wandte die linke Seite meines Oberkörpers diesem Fahrer zu und brachte meine beiden Hämmer in Position.

Während er auf mich zukam, schrie er mich wieder an, „was mein Problem sei“? Mit der rechten Faust unterm Kinn, zeigte ich mit der linken auf den Fahrer und listete kategorisch die Anzahl seiner Beleidigungen auf, die er, wie ich fühlte, gegen mich verbrochen hatte. Als ich fertig war mit meinen Argumenten, tat er etwas, das ich nie vergessen werde.

Er stemmte seine Hände in die Hüften, ließ sein Kinn auf die Brust sinken und starrte zu Boden als dächte er über etwas nach. Nach einer langen Pause schüttelte er verneinend seinen Kopf, schaute auf, streckte seine rechte Hand zu mir aus, als wolle er mir die Hand schütteln. „Sie haben recht“, sagte er, „ich habe Ihnen diese Dinge zugefügt, werden Sie mir vergeben?“ „Was?“, fragte ich ungläubig. Er wiederholte sich und sagte: „Sie haben recht, Mann, ich habe all das, was Sie sagen, getan. Werden Sie mir verzeihen?“

Ich war wie betäubt, als ich da stand, mit erhobenen Fäusten auf seine ausgestreckte Hand blickend. „Meinen Sie das ernst?“, fragte ich zweifelnd. „Ja, Mann“, sagte er, „es tut mir leid, bitte verzeihen Sie mir“ und bot mir immer noch seine ausgestreckte Hand an. „Kauf es ihm nicht ab“, dachte ich, „es ist ein Trick. Sobald ich zustimme seine Hand zu schütteln, wir er mir mit der anderen einen Fausthieb verpassen.“

Nach einem langgezogenen peinlichen Moment streckte ich zögerlich und vorsichtig meine linke Hand aus und schüttelte seine Fingerspitzen, während meine rechte Faust unter meinem Kinn verblieb. Als ich die Fingerspitzen seiner rechten Hand schüttelte, sagte er: „Was ich getan habe, tut mir leid.“

Ich war schockiert und begann mich beschämt und von meinem eigenen Verhalten verurteilt zu fühlen. „Mir tut es auch leid“, murmelte ich, „manchmal werde ich einfach zu wütend.“ Er wünschte mir einen schönen Tag, kletterte wieder in sein Führerhaus und fuhr weg, wobei er mich alleine auf der Strasse stehen ließ, immer noch nicht verstehend, was da eben geschehen war. Wir hätten uns an jenem Tag gegenseitig ernsthaft verletzen können, doch der Fahrer des Lasters hatte nicht zugelassen, dass das geschieht.

Ich hob mein Jackett vom Boden auf und ging langsam zu meinem Wagen zurück. Als ich mich hineingesetzt hatte, beugte ich meinen Kopf im Gebet und bat den Herrn, mir mein Verhalten zu vergeben. Ich war so gedemütigt durch diese Erfahrung; ich sagte dem Herrn, ich würde niemals wieder beim Autofahren so die Fassung verlieren. In den siebenundzwanzig Jahren, die seit der Begebenheit mit diesem LKW-Fahrer vergangen sind, habe ich mein Versprechen gehalten. Wenn nun Leute unfreundlich zu mir aus ihren Autos blicken, lächle ich nur und winke, gehe aus ihrem Weg und bete für ihr Glück und ihre Errettung.

Rückblickend kann ich nicht anders als zu glauben, dass dieser Lasterfahrer wahrscheinlich wie ich war, eben auch ein Christ in Kinderschuhen. Die meisten LKW-Fahrer, die so raubeinig wie er aussehen, halten nicht inmitten einer hitzigen Konfrontation inne und benutzen Worte wie „vergeben“, es sei denn, sie sind selbst Christen und in seinem Fall, ein besserer, als ich es an jenem Tag war.

Die Bibel sagt in Sprüche 25:22, „wenn du barmherzig zu deinem Feind bist, sammelst du feurige Kohlen auf seinem Kopf“. Ich dachte immer, dieser Vers bedeutete, man würde so seinen Feind auf irgendeine Weise strafen oder verletzen, bis mir erklärt wurde, dass, wenn du freundlich bist zu deinem Feind, die Kohlen, die du auf sein Haupt ausschüttest, nicht dazu gedacht sind ihn zu verletzen, sondern das Herz deines Feindes zu schmelzen.

Dieser Lasterfahrer veränderte für immer mein Leben, als er mich an jenem Tag um Vergebung bat. Als Ergebnis daraus brachte er dort draußen mein Herz zum Schmelzen, mitten auf der Strasse, und ließ mich dadurch zu einem besseren Menschen werden.

Wie viele Menschenleben haben wir in letzter Zeit durch das Praktizieren von „Sanftmütigkeit“ berührt oder verbessert? Oft wird uns als Christen Gelegenheit gegeben, das Herz von Ungläubigen zum Schmelzen zu bringen, indem wir ihnen Freundlichkeit anbieten, wenn sie es eigentlich nicht verdienen. Wenn wir Seelen für Christus gewinnen wollen, müssen wir bereit sein „Sanftmütigkeit“ zu demonstrieren und uns enthalten, auf Beleidigung und falsche Behandlung mit Verletzung dieser Menschen zu reagieren.

Als Abraham Lincoln endlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, nachdem er wiederholt angegriffen und von seinen Kontrahenten persönlich lächerlich gemacht worden war mit Bemerkungen, er wäre ein hässliches Monster und sähe wie ein Affe aus, drängten ihn seine Wähler, er solle seine neugewonnene Macht als Präsident zur Vergeltung nutzen und seine „Gegner zerstören“. Lincoln, als Christ, weigerte sich und erwiderte: „Er zerstörte seine Feinde, als Er sie zu seinen Freunden machte“. Er häufte heiße Kohlen auf ihre Köpfe und schmolz ihre Herzen!

Wenn unser kostbarer Herr und Erlöser Jesus Christus sagen konnte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, während er geschlagen und für ihre Sünden gekreuzigt wurde, müssen auch wir Seinem Beispiel folgen, indem wir denen, die uns verfolgen, unser Liebe, Vergebung und Fürbitte schenken. Wir müssen die Herzen unserer Feinde zum Schmelzen bringen.

 

Über den Autor:

Jim Wehrheim lebt in Carefree, Arizona und ist Gründer und Vorstand von Halftime Talks International, ein Dienst der Ermahnung und Ermutigung. Halftime Talks Int. wurde ins Leben gerufen nach einer Reihe persönlicher tragischer Ereignisse in Jims Leben, die ihn sowohl erschütterten als auch in tiefste Verzweiflung stürzten. Um mehr über seine Geschichte zu erfahren oder falls Sie einen Sprecher suchen, der Ihre Zuhörer ermahnt, niemals aufzugeben und ihnen hilft zu erkennen, dass sie „alle Dinge tun können durch Christus, der ihnen Stärke gibt“, kontaktieren Sie Jim für ein inspirierendes „Halbzeit-Gespräch“ auf seiner Webseite: www.halftimetalks.com oder senden Sie eine E-Mail an: jim@halftimetalks.com.

Dieses Dokument ist urheberrechtlich geschützt.
Originaltitel: Melting Your Enemy’s Heart
©2006 Jim Wehrheim, All Rights Reserved.
Quelle: www.hearttouchers.com
Die Rechte an dieser Übersetzung liegen bei der Übersetzerin:
©2007 Gabriele Kohlmann, www.soulfood4u.de

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