Die beiden Königssöhne

Die beiden Königssöhne

Sigrid Baron

Vor
vielen Jahren lebte einmal ein König in einem großen Schloss mit hohen
Türmen und hellen Fenstern. Das Schönste des Schlosses aber war der
prächtige Festsaal – die Königshalle. Zweimal tausend Gäste hatten
darin Platz, wenn der König ein Fest feierte.

Der König hatte zwei Söhne. Eines Tages rief er sie zu sich und sprach zu ihnen: „Meine
lieben Kinder. Ich bin nun alt geworden und werde nicht mehr lange
leben. Einer von euch aber soll nach mir König sein und das Land
regieren.
Nun ist die Sache die: ich habe euch beide lieb und weiß
nicht, wem ich den Königsthron und das Land geben soll. Deshalb sollt
ihr eine Aufgabe lösen. Wem das am Besten gelingt, der soll König sein!

Die beiden Söhne waren einverstanden und fragten: „Vater, was sollen wir tun?
Da sprach der König: „Ich
gebe jedem von euch ein Goldstück. Kauft davon etwas, das die große
Königshalle bis unter das Dach ausfüllt. Nicht ein einziger Winkel darf
frei bleiben! Und: was ihr kauft, muss an einem einzigen Tag in die
Königshalle hineingetragen werden. Geht nun und wählt gut!

Die beiden Königssöhne gingen davon und überlegten.

Der
ältere Sohn machte sich als erster auf den Weg. Tag und Nacht wanderte
er durch Städte und Dörfer und suchte nach dem, womit er die große
Königshalle würde ausfüllen können.

So
kam er zu einem Bauern. Der hatte große Scheunen voller Stroh. Der
Königsohn sah, dass der Bauer das Stroh für wenig Geld verkaufte. Da
freute sich der Königssohn und dachte bei sich: „Ich weiß, was ich tue! Mit diesem Stroh fülle ich die Königshalle des Vaters, und dann werde ich König sein!

So
kaufte er dem Bauern das viele Stroh ab und ließ es auf riesige Wagen
laden und fuhr es zum Schloss. Vom Morgen bis zum Abend trug er das
Stroh in die Königshalle hinein. Doch als es dunkel wurde, war die
Halle noch nicht einmal halb gefüllt.
Traurig ging der Königsohn davon.

Der König aber und seine Minister warteten nun gespannt auf den jüngeren Sohn, der ebenfalls ausgezogen war. „Wird er die Halle ausfüllen können?“ fragten sie sich. „Und womit wird er es tun?

Als
drei Tage vergangen waren, kam der jüngere Sohn ins Schloss zurück. Er
trug nur einen Kasten aus braunem Holz bei sich. Den trug er in die
Halle und verschloss die Tür. Als er nachgesehen hatte, dass er allein
war, öffnete er den Kasten.
Es waren viele, kleine Handteller
große Gefäße darin, die er für sein Goldstück gekauft hatte. Er stellte
sie überall in der großen Halle auf.

Als die Sonne untergegangen war, ging der Königsohn zu seinem Vater und sagte: „Ich habe die Aufgabe gelöst. Komm, und sieh!
Draußen
war es dunkel. Der König und seine Minister gingen zur Königshalle. Als
sie die Tür öffneten, blieben sie überrascht stehen: helles Licht
strahlte ihnen entgegen! Die vielen kleinen Gefäße waren Öllämpchen,
die bis unter das Dach und in die finstersten Winkel hinein leuchteten.
Die große Halle war voller Licht!

 

 

Da
legte der König seinem Sohn beide Hände auf die Schulter und sprach:
„Mein Sohn, du hast klug gewählt und die Aufgabe zu meiner
Zufriedenheit gelöst. Darum sollst du nach mir König sein!“

Die Minister verneigten sich und riefen: „Ja, er soll der neue König sein!
Da freute sich der Königsohn und seine Augen strahlten wie das Licht!

 

 

 

Diese Geschichte hat mich einst als Kind sehr beeindruckt. Ich glaube, es steckt viel Weisheit darin.

Jesaja schreibt:

„Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker“.

Das
stimmt. Bis heute kennen wir diese Finsternis in unserem Leben. Zum
Beispiel die immer länger werdenden Schatten über einer zerfallenden
Beziehung. Die Bedrängnis einer Krankheit. Die dunklen Wolken über dem
Verlust eines Menschen. Die Schatten der Vergangenheit, des Versagens,
der Schuld, die uns immer wieder einzuholen versuchen.

Finsternis
ist nichts Schönes und kein angenehmes Gefühl. Wir Menschen sind nicht
für die Finsternis geschaffen, sondern tragen eine tiefe Sehnsucht nach
dem Licht in uns.

Damals bei Jesaja versprach Gott mit seinem „Aber“ diese Dunkelheit entscheidend zu verändern:

 

Aber über dir strahlt der Herr auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir!
Jesaja 60,2

 

Der Raum in unserem Herzen wird mit ihm bis in den letzten Winkel erhellt. Das Licht – Jesus selbst –  vertreibt die Finsternis!

Im Winter hört man des Öfteren den Satz: „Es will gar nicht so richtig hell werden!
Es gibt einfach solch eine „gefühlte“ Dunkelheit, die diese
Grau-in-Grau-Stimmung in uns hinterlässt. Aber Gottes Verheißungen sind
da, sie sind „Ja und Amen“ in ihm (2. Korinther 1,20).

Als
Jesus am Kreuz starb und der Teufel seinen vermeindlichen Sieg feierte,
wurde es mitten am Tag stockfinster. Aber im hellen Licht des frühen
Ostermorgens überflutete die Auferstehungskraft Gottes das Land.
Jesus
ist es, der dem Sturm, den dunklen Wolken, den tobenden Wellen gebietet
– und sie müssen still werden und vor seinem Licht fliehen.

 

Es gilt: Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind!
Jesaja 8,23

 

Der
Feind versucht immer, uns in den Bereich der Dunkelheit zu ziehen.
Dunkelheit macht Angst, macht uns unsicher, verwirrt und schläfert uns
ein.
Aber Gott hat einen Weg: „Es wird nicht dunkel bleiben“… über
Krankheit, Schmerzen, Mangel, Depressionen, Nöten, schwierigen
Beziehungen oder was immer du hier für dich einsetzen musst.

Nimm dieses Wort heute als deine persönliche Verheißung, sprich es in dein Leben, dein Herz und deine Gedanken hinein.

Wir wünschen dir von Herzen, dass das helle Licht in dein Leben scheint.

 

 

© Sigrid und Martin Baron
Veröffentlichung unter Quellenangabe „www.gottes-haus.de“ gestattet

 

 

 

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